Die neue Asstellung im CRAFTkontor zeigt, das URUSHI-Lackkunst für viele Besucher wenig bekannt ist.
Man kennt Exponate aus den asiatischen Museen oder aus dem gehobenen Asiatika-Handel,
aber dass eines der ältesten Luxus-Kunsthandwerke eine moderne Tradition und auch wieder europäische Lackmeister nach dem 17. Jahrhundert hat, ist nicht so bekannt.

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Heri Gahbler, Gefäßobjekt „Wandel“, Urushi-Lack, Blattsilber;
(Copyright: Heri Gahbler)

URUSHI – LACK

Das alte chinesische Schriftzeichen für LACK setzt sich aus dem Piktogramm für BAUM und dem für TROPFEN zusammen;
das japanische Wort URUSHI leitet sich vom Adjektiv SCHÖN (uruwashi) ab und beschreibt die ästhetische Qualtiät des Lacks;

Lack in unserem Zusammenhang bedeutet nicht ein Produkt der Chemieindustrie,
sondern ein seit Jahrtausenden bekannter kostbar rarer Baumsaft aus Ostasien;
(Selbst Schellack, das Produkt der Absonderungen von Schildläusen ist deutlich jünger);

Das Ernten des Baumsaftes erfolgt durch Einschnitte in Rinde und Bast und
die Rarität des Rohstoffes ist ablesbar am Jahresertrag eines 10-jährigen Baumes: kostbare 200gr –
da ist es nicht erstaunlich, dass es zu Hochzeiten des Lacks in Asien eigene Lackämter und auch eine Lacksteuer gab;

Aus dem Rohlack ist nach Klärung durch Pigmentbeimischung Farblack erzeugbar:
allein nur 5 Farben: Sonnenrot, Tiefschwarz, Grün, Gelb und Braun;
Versuche, weitere Farben zu mischen, führen unweigerlich zu trübem „Schmutzlack“;

Ausgehärteter Lack hat wunderbare Materialeigenschaften:
– er ist transparent und nach Politur hochglänzend;
– wasserundurchlässig und gegen Feuchtigkeit, Säuren, Alkalien und Alkohol in hohem Maße wiederstandsfähig, sowie antiallergisch;
– außerdem hält er Wärme gut,
d.h. Gefäße in Urushilack sind gut Nahrungsmittel geeignet!

Ausgangspunkt der Lackarbeiten sind Unterformen aus Holz, gefestigtem Textilgrund oder Papiermachee;

URUSHI- LACKkunst kommt historisch gesehen schwerpunktmäßig aus Japan, China und Korea mit wechselseitigen Einflüssen und sind weit vor der Zeitenwende durch Ausgrabungen nachgewiesen:
Die frühesten Funde stammen aus dem 5. Jahrhundert vor Chr. aus China;

Lack findet sich in der Architektur, bei Möbeln, Speisegerät und Dekorgegenständen….

Die Entdeckungsreisen der Portugiesen und Spanier nach Asien und im Anschluss daran die Handelsbeziehungen der Ostindienkompagnie brachten Urushi nach Europa
– zuerst als Geschenke an die Herrscherhäuser:
Lackarbeiten waren extrem kostbare Geschenke, exquisit und luxuriös – exotisch…

…und als normale Entwicklung, wenn etwas bei bedeutenden Menschen geschätzt wird und zum Prestige gehört, dann wird es populär:
Lack wurde auch in Adelshäusern gefragt und die steigende Nachfrage ließ die Asiaten extra Exportlacke herstellen.

Erneut vermehrter Bedarf führte zur LACKMODE:
Lackkabinette wurden neben Porzellankabinetten „state of the art“ jedes größeren Schlosses.
Im Nachgang der großen Nachfrage besonders im 16./17. Jahrhunderts fingen französische, deutsche und englische Kunsthandwerker an, sich im Lack zu üben oder mit minderen Materialien zu kopieren.

Das „weiße Gold“ Porzellan hatte ein Pendant,
das „schwarz (rote ) Gold“ des Lack.
Chinoiserien waren in!

Wie sehr man Lack schätzte, läßt sich daran ersehen, dass Martin Schnell, Lackkünstler für das „japanische“ Palais August des Starken, ein doppelt so hohes Monatsgehalt hatte wie Johann Friedrich Böttcher, der am gleichen Hof das europäische Porzellan entwickelte!

Die industrielle Herstellung von Lack bedrängte im Westen wie im Osten das technisch aufwendige, kostspielige Handwerk.

Erste Lackfabriken gab es ab 1844 z.B. in Köln.
Die Mechanisierung in der Herstellung führte zur Demokratisierung von Lackwaren
und heute sind einfach lackierte, gespritzte Gegenstände aus dem Alltag nicht mehr wegzudenken.

Diese Art Lack hat aber mit Urushi-Lack nicht mehr im Mindesten zu tun…
Naturlack und Industrielack stehen sich gegenüber wie die Naturperle und die Kunstperle, die Seide und die Kunstseide…

Das alte Handwerk ging in Asien nicht ganz verloren und mittlerweile weiß man die extreme Kunstfertigkeit und Rafinesse handlackierter Objekte im Luxussegment wieder zu schätzen,
denn die Härte des Naturlacks, sein tiefer edler Glanz und die Wärme beim Anfassen sind unübertroffen.

Es gibt eine Fachschule für Lackkunst in Wajima, dem Lackzentrum Japans und in Europa in Barcelona eine gute Möglichkeit das Lackhandwerk zu studieren.

Um 1 Millimeter Lackschicht zu erhalten, müssen mehrere Schichten extremer Dünne aufgebracht werden,
da sich diese durch Zwischenschleifen und polieren immer wieder etwas minimieren.

Jede Schicht hat mindestens 1 vollen Tag Trocknungszeit.
Die Trocknung kann nur erfolgen in speziellen Trockenschränken bei definierter Temperatur und Luftfeuchtigkeit.

Der Grundaufbau des Formrohlings aus Holz, Textil oder Papiermachee, deren Trocknungszeiten, bis zu 30 bis über 100 Lackschichten und ihre über 30 bis über 100 Tage Trocknungszeit – Zwischenschliffe, Poliertage, weitere Zwischenschliffe und weitere Polituren bedingen, das ein Urushi-Objekt Monate, manchmal Jahre der Entstehungszeit hat.

Ein weiterer Grund neben der Rarität des Rohlacks, der den Preis der Kunstwerke bestimmt…

HERI GAHBLER, der deutsche Lackmeister, dessen Arbeiten im Moment im CRAFTkontor zu sehen sind, hat dierkt in Wajima mehrere Jahre Lack studiert.
Seine Arbeiten fußen in der klassischen Tradition, zeigen aber auch viel weitergehende künstlerische Ansätze im Lack.

Gahbler ist einer von 3 europäischen Lackmeistern – ein Spitzenkunsthandwerker in einem wunderbaren Metier.