Zweiter Schwerpunkt der aktuellen Ausstellung im CRAFTkontor, neben den Tierskulpturen in Rauchbrandkeramik von Ule Ewelt, sind die Kalligraphien der Bonner Künstlerin Ursula Werner.

Ursula Werner "Duft" Kalligraphie auf Papier und Pergament; Copyright: UrsulaWerner

Ursula Werner „Duft“
Kalligraphie auf Papier und Pergament;
Copyright: UrsulaWerner

Nach einer ersten Lebensphase als Lehrerin für Kunst und Philosophie, kam Ursula Werner durch eine Lebenskrise zur Kalligraphie.
1997 suchte Sie sich direkt in Japan/Kyoto in Eigeninitiative einen Kalligraphiemeister als Leher und studiert seitdem u.a. bei Seiun Takeuchi.

Seither war sie einige Male direkt in Japan, aber eigentlich funktioniert die Lehrer-Meisterschülerin-Beziehung über die Ferne:
Aufgaben werden vom Lehrer per Post gegeben und Ursula Werner arbeitet Wochen-Monatelang an der Perfektionierung der geforderten Buchstaben, ehe sie das in ihren Augen mögliche Ergebnis zurück nach Japan schickt.
Erwiedert wird diese Einsendung dann von der belobigten oder korrigierten Fassung des Meisters….usw., seit fast 20 Jahren.
Welch eine Konzentration und Selbstdisziplin ist dafür nötig!

Inzwischen hat sie durch die Qualität ihrer Arbeit schon eine Lehrerlaubnis bekommen, schon ehe sie den offiziellen Meistergrad erhalten hat. U.a. gibt sie die Kurse am ostasiatischen Museum in Köln.
Als eine der wenigen Europäer hat sie in der internen Rangfolge der Kalligraphen in Japan den bedeutenden 7. Dan erreicht: die Scala der Perfektion reicht von -7 bis+8!

„Eine schwarze Tuschespur, kraftvoll auf weißes Papier gesetzt, kann alles über das Leben verraten…
Inspiriert von der klassischen Kalligraphie (die sie bei ihrem Meister lernt) und von der Zenmalerei, pflegt Ursula Werner an der Schnittstelle von Schrift und Malerie (aber auch) die Kunst der energischen Pinselgeste.
Auf kleinem und auf riesigen Formaten hat sie die Farbe laufen lassen. Explosionsartig wie der Ausbruch eines impulsiven Verlangens.
Flutartig wie das Strömen eines unkontrollierten Wasserstrahls und einer kraftvollen Erregung. Oder flattrig wie das Flügelschlagen eines panischen Vogels.

Ursula Werner, Kalligraphie, o.T., Tische auf Papierbahn, 0,70 x 4,40m; Copyright: Ursula Werner

Ursula Werner,
Kalligraphie, o.T., Tusche auf Papierbahn, 0,70 x 4,40m;
Copyright: Ursula Werner

Unweigerlich kommen solche Assoziationen beim Blick auf die bewegten Pinselspuren, die von Ursula Werner mit größter Dynamik aufs Papier gebracht wurden. Ohne Zögern. Ohne kontrollierende Gedanken. Ohne die erzählerische Ablenkung figürlicher Motive.

Allein die namenlose Geste zeichnet aus der Bewegung heraus die Spur, aus der sich der kurze Moment einer wahren Empfindung ebenso ablesen läßt wie die Wahrheit, dass unser bewusstes Ich nichts ist gegenüber der Flüchtigkeit unbewußter Seelenkräfte.“ (Textzitat: Jürgen Kisters, Kölner Stadtanzeiger)

Oben gezeigte wundervolle Papierbahn ist das Herzstück der gezeigten Arbeiten der Bonnerin Ursula Werner. Daneben sind klasssische Schriftzeichen in kleinen Formaten, aber auch freie akstrakte Pinselspuren zu sehen. Hier faszinieren besonders die zweischichtigen Arbeiten, in denen sie eine Pinselspur auf zartem halbtransparenten Reispapier mit einer freien Farb-Tuschearbeit auf Bütten kombiniert, wodurch eine neue spannende Tiefe in den Arbeiten entsteht.

Die Arbeiten von Ursula Werner und die Keramiken von Ule Ewelt sind noch bis Ende Juni im CRAFTkontor zu sehen.
Am Sonntag, 22. Mai ist von 13 – 17 Uhr außer der Reihe geöffnet !
(Verkaufsoffener Sonntag in Bad Godesberg)